Atherosklerose (Arteriosklerose)
Definition
Atherosklerose ist die wichtigste und häufigste pathologische Veränderung der Arterien mit Verhärtung, Verdickung und Elastizitätsverlust. Aufgrund der Plaquebildung in der Intima, der inneren Schicht der Blutgefäße kommt es zu einer Durchblutungsstörung. [7, 10]
Symptome und Folgen
Atherosklerose entwickelt sich in der Regel langsam und Symptome treten oft erst nach Jahrzehnten auf. Erst wenn der Gefäßdurchmesser durch Ablagerungen an der Gefäßinnenwand (Plaques) deutlich reduziert ist oder sich im Bereich der Plaques ein Blutgerinnsel bildet, treten Symptome der Atherosklerose auf. Es können Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Angina Pectoris, Herzinfarkt, ischämischer Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)) folgen. [1, 3]
Pathologie und Entstehung der Atherosklerose
An der Entstehung der Atherosklerose sind zahlreiche Prozesse beteiligt. Atherosklerose beginnt meist mit der Verletzung der Intima (innerste Schicht des Endothels der Blutgefäße) durch verschiedene Faktoren wie Bluthochdruck, Störungen des Lipidstoffwechsels oder durch Rauchen. Risikofaktoren (siehe unten) induzieren Entzündungsreaktionen, die auch an der Bildung, so wie der Progression der Atherosklerose beteiligt sind. Es entstehen atherosklerotische Plaques, die aus Fetten, Wasser, Makrophagen, Thrombozyten, glatten Muskelzellen, Bindegewebsgrundsubstanz und Calcium bestehen. Eine Rolle bei der Entstehung spielt auch die LDL-Oxidation. [1, 6]
Ursachen und Risikofaktoren [3, 5]
Körperliche Faktoren:
- Genetische Veranlagung
- Hyperglykämie
- Hyperlipidämie
- Arterielle Hypertonie
- Übergewicht und Adipositas (vor allem viszerale Adipositas)
- Alter (mit dem Alter nimmt das Atherosklerose-Risiko zu)
- Geschlecht
Verhaltensbezogene Faktoren:
- Rauchen
- Fehlernährung
- Bewegungsmangel
- Übermäßiger Alkoholkonsum
Psychische Faktoren:
- Chronischer Stress (Lebensstilfaktoren)
- Negative Affekte
- Persönlichkeitsfaktoren (verhaltensbezogene Faktoren)
Soziale Faktoren:
- Qualität sozialer Beziehungen und Netzwerke
- Belastungen am Arbeitsplatz
- Bildung
Trimethylamine-N-Oxid (TMAO), das bei der Metabolisierung von L-Carnitin, Cholin und Betain entsteht, wird als neuer Risiko- und/oder Prognosefaktor bei atherosklerotischen Gefäßerkrankungen diskutiert. Mehr dazu hier. [8, 9]
Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12, die am Abbau von Homocystein beteiligt sind, verloren in den letzten Jahren in der Prävention der Atherosklerose auch immer mehr an Bedeutung. Eine Senkung des Homocysteinspiegels durch Folsäure und/oder Vitamin B12 erscheint nicht angezeigt und wenig sinnvoll. [6]
Risikosenkung/ Prävention [1, 6]
- Normalisierung des Körpergewichts
- Nichtrauchen
- regelmäßige körperliche Aktivität/ Sport
- Alkohol meiden
- Vermeidung von anabolen Steroiden
- Blutdrucksenkung bei Hypertonie
-
gesundheitsfördernde Ernährung (entsprechend der Österreichischen Ernährungspyramide): [2]
- weniger gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren (Fleisch, tierische Fette)
- weniger Zucker (< 50g/Tag)
- vermehrt ungesättigte Fettsäuren mit einem speziellen Fokus auf n-3 Fettsäuren (z.B. fettreicher Fisch, Leinöl)
- vermehrt Ballaststoffe (z.B. Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse)
- ausreichend Obst und Gemüse (enthalten sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, welche einer LDL-Oxidation vorbeugen können)
-
vor allem das Ernährungsmuster, nicht nur einzelne Nahrungsbestandteile spielen eine Rolle
- eine mediterrane Kost ist geeignet, im Idealfall eine Atherosklerose zu verhindern bzw. deren Verlauf zu verlangsamen
©ÖGE 2018
Quellen:
[1] ELMADFA I, LEITZMANN C. Ernährung des Menschen. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart. 5. Auflage 2015. Kapitel 9.4 Koronarerkrankungen S. 654 ff.
[2] BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT UND FRAUEN. Österreichische Ernährungspyramide. Juli 2016. Internet: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/7/3/0/CH1046/CMS1290513144661/folder_erpyr_web.pdf(Zugriff: 19.09.2018)
[3] BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT. Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich. Angina Pectoris, Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit. Epidemiologie und Prävention. 2015. Internet:https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/8/7/1/CH1075/CMS1421311013881/hke_bericht_2015.pdf(Zugriff: 18.09.2018)
[4] DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ARTERIOSKLEROSEFORSCHUNG e.V. Was ist Atherosklerose überhaupt? 2012. Internet: http://www.dgaf.de/fuer-patienten/(Zugriff: 18. 09. 2018)
[5] BIESALSKI HK, GRIMM P, NOWITZKI-GRIMM S. Taschenatlas Ernährung. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. 6. Auflage 2015. Kapitel 9 Wasserlösliche Vitamine S. 206.
[6] BIESALKSI HK, BISCHOFF SC, PIRLICH M, WEIMANN A. Ernährungsmedizin. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. 5. Auflage 2018. Kapitel 50 Herz- und Gefäßkrankheiten. S. 697 ff.
[7] ICD10DATA. Atherosclerosis I70. Internet: https://www.icd10data.com/ICD10CM/Codes/I00-I99/I70-I79/I70-(Zugriff: 19.09.2018)
[8] GRÄTZEL P. TMAO-Spiegel sagen Tod bei Gefäßpatienten voraus. 2016. Internet: https://www.kardiologie.org/herz-und-gefaesse/tmao-spiegel-sagen-tod-bei-gefaesspatienten-voraus/10983840(Zugriff: 19.09.2018)
[9] SENTHONG V, WANG Z, YIVING F, WU Y, HAZEN SL, WILSON TANG WH. Trimethylamine N-Oxide and Mortality Risk in Patients With Peripheral Artery Disease. J Am Heart Assoc. 2016 Oct; 5(10): e004237. doi: 10.1161/JAHA.116.004237. Internet: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5121520/(Zugriff: 19.09.2018)
[10] DE GRUYTER. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage, 2017.
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