Hyperlipoproteinämien

Hyperlipoproteinämien (Hyperlipidämien) sind Fettstoffwechselstörungen mit erhöhter Konzentration bestimmter Lipoproteine im Serum und eventuell auch einer Verschiebung der Lipoproteinanteile. Hyperlipoproteinämien stellen wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Atherosklerose und kardiovaskulären Erkrankungen dar. [9, 10]

Klinisch werden die Fettstoffwechselstörungen (laut Biesalski [10]) eingeteilt in

  • LDL-Hypercholesterinämie
  • Hypertriglyceridämie
  • Gemischte Hyperlipoproteinämie
  • HDL-Erniedrigung
  • Lipoprotein(a)-Erhöhung

Cholesterin und Fette - Funktionen im Körper

Cholesterin und Fette erfüllen in unserem Körper lebenswichtige Funktionen. Sie transportieren fettlösliche Vitamine, versorgen periphere Organe und sind Ausgangsstoffe für Hormone, Gallensalze und Vitamin D. Da Fett jedoch nicht wasserlöslich ist, sind sogenannte Lipoproteine notwendig, die das Fett im wässrigen Blut transportieren. Je nach Fettgehalt (Fettmenge, Fettart) und Größe dieser Transportproteine unterscheidet man verschiedene Untergruppen: Chylomikronen, VLDL, IDL, LDL, HDL und Lipoprotein (a). [6, 7]

Primäre und sekundäre Hyperlipoproteinämien

Bei Hyperlipoproteinämien werden grundsätzlich primäre und sekundäre Formen unterschieden. Primäre Hyperlipoproteinämien liegen in genetischen Defekten begründet. Meistens besteht jedoch eine Interaktion zwischen genetischen Defekten und äußeren Faktoren (z.B. Ernährung). Sekundäre Hyperlipoproteinämien können als Folgen verschiedener Krankheiten oder gewisser Lebensstilfaktoren entstehen (siehe Ursachen/Hauptrisikofaktoren). Im Gegensatz zu primären Hyperlipoproteinämien können sekundäre Hyperlipoproteinämien oft durch die erfolgreiche Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen behoben werden. [7, 10]

Ursachen/ Hauptrisikofaktoren

  • genetische Veranlagung (primäre Hyperlipoproteinämie)
  • hyperkalorische Ernährung und daraus resultierendes Übergewicht/ Adipositas
  • hohe Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Trans-Fettsäuren
  • geringe Ballaststoffaufnahme
  • hoher Alkoholkonsum
  • körperliche Inaktivität
  • manche Medikamente (z.B. Diuretika, orale Kontrazeptiva, Anabolika)

Auch Erkrankungen, wie Diabetes Mellitus, Leber- und Nierenerkrankungen, Pankreatitis, Hypothyreose und Alkoholismus können Ursachen sein. Hier steht die Behandlung der Grunderkrankung durch einen Arzt im Vordergrund. [6, 10]

Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen

Als "klassische" kardiovaskuläre Risikofaktoren gelten laut Österreichischem Lipidkonsensus 2016  [2, 3]:

  • Alter (Männer: > 45 Jahre; Frauen: > 55 Jahre)
  • positive Familienanamnese für prämature KHK (männliche erstgradige Verwandte < 55 Jahre; weibliche erstgradige Verwandte < 65 Jahre)
  • Rauchen
  • Hypertonie (RR > 130/80 mmHg in einer 24-Stunden-Messung oder > 135/85 mmHg als Mittelwert der Selbstmessung oder antihypertensive Medikation)
  • HDL-C < 40 mg/dl (Männer); < 50 mg/dl (Frauen)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Laut Statistik Austria zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich zu den häufigsten Todesursachen. Hyperlipoproteinämien können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. [10, 11]

Lipoproteine

Da Fett nicht wasserlöslich ist, sind sogenannte Lipoproteine notwendig, die das Fett im wässrigem Blut transportieren. Je nach Fettgehalt (Fettmenge, Fettart) und Größe dieser Transportproteine unterscheidet man verschiedene Untergruppen: Chylomikronen, VLDL, IDL, Lipoprotein (a), sowie LDL und HDL, die die wichtigsten Lipoproteine sind. [1]

  • LDL Cholesterin: LDL wird umgangssprachlich oft als das „schlechte“ Cholesterin bezeichnet. LDL-Moleküle transportieren Cholesterin zu den Zellen. [3, 7] Ein erhöhter LDL-Blutcholesterinspiegel steigert das Risiko einer Atherosklerose bzw. einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. [6]
  • HDL Cholesterin: HDL wird häufig als „gutes Cholesterin“ bezeichnet. HDL-Moleküle befördern nicht mehr benötigtes Cholesterin aus der Gefäßwand zur Leber. Ein erniedrigter HDL-Cholesterinspiegel erhöht daher das Risiko einer koronaren Herzkrankheit. Der HDL-Cholesterinspiegel kann durch körperliche Bewegung positiv beeinflusst werden. [3, 6, 7]

Mehr zum Thema Cholesterin finden Sie hier.

Was sagen Ihre Blutwerte aus?

Der Anteil an LDL-Cholesterin hat als Risikofaktor von Atherosklerose eine viel größere Bedeutung als der Gesamtcholesterinwert. Prinzipiell gilt: Je niedriger der LDL-Wert und je höher der HDL-Wert, desto besser. Blutfettwerte müssen im Kontext des kardiovaskulären Gesamtrisikos beurteilt werden. Das kardiovaskuläre Risiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit einer Person, in einem bestimmten Zeitraum ein tödliches oder nicht-tödliches kardiovaskuläres Ereignis (z.B. einen Herzinfarkt) zu erleiden. [2, 3]

Das kardiovaskuläre Risiko kann in vier Kategorien (gering, mäßig, hoch, sehr hoch) eingeteilt werden. Hierbei spielen Faktoren wie z.B. das Vorliegen einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, chronischer Nierenerkrankungen oder einer koronaren Herzkrankheit eine Rolle. Risikoabschätzungssysteme wie SCORE dienen ebenfalls zur Abschätzung des kardiovaskulären Gesamtrisikos. [2, 5]

Mehr dazu finden Sie hier.

Risikokategorie

LDL

Non-HDL

LDL-Schwellenwert für

die Einleitung einer

medikamentösen

Therapie

Sehr Hoch < 70 mg/dl** < 100 mg/dl 70 mg/dl
Hoch < 100 mg/dl < 130 mg/dl 100 mg/dl
Mäßig < 130 mg/dl*** < 160 mg/dl 130 mg/dl
Gering < 160 mg/dl < 190 mg/dl 160 mg/dl

* CholNon-HDL= Cholgesamt – CholHDL

** und/oder Reduktion um ≥ 50 %, wenn der Zielwert nicht erreicht werden kann

*** Im Einzelfall, vor allem bei Personen mit ausgeprägtem metabolischem Syndrom, kann es sinnvoll sein, eine LDL-C-Absenkung auf < 115 mg/dl (Non-HDL-C < 145 mg/dl) anzustreben

Tabelle 1: Zielwerte für das LDL-Cholesterin und das Non-HDL-Cholesterin in Relation zur kardiovaskulären Risikokategorie.

Bislang wurden keine spezifischen Zielwerte für HDL-Cholesterin in klinischen Studien ermittelt. HDL-Cholesterinwerte von > 40 mg/dl bei Männern und > 48 mg/dl bei Frauen deuten auf ein erniedrigtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen hin. Sehr hohe HDL Cholesterinwerte (> 60 mg/dl) sind jedoch ungünstig, da sie mit einem höheren Risiko für  Herz-Kreislauf-Erkrankung assoziiert sind. [5]

Lebensstiländerungen und gesunde Ernährung zur Reduktion des kardiovaskulären Gesamtrisikos

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht [10]
  • Gesamtfettaufnahme: max. 30% der Tageskalorien (Laut Österreichischem Ernährungsbericht 2017 werden 36,8% der Tageskalorien durch Fett gedeckt.) [1]
  • Fettqualität optimieren
    • weniger gesättigte Fettsäuren  und Trans-Fettsäuren
    • mehr einfach ungesättigte Fettsäuren (Olivenöl, Rapsöl)
    • mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren (vor allem Omega-3-Fettsäuren (fetter Fisch, Leinöl)) [4, 10]
  • gesunde Ernährung (entsprechend der österreichischen Ernährungspyramide) [8]
    • reichlich Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Fisch und hochwertige pflanzliche Öle
    • ballaststoffreiche (> 30 g Ballaststoffe/ Tag), bevorzugt pflanzliche Mischkost
    • Lebensmittel mit leicht resorbierbaren Kohlenhydraten wie Zucker (z.B. in Softdrinks, Limonaden) nur in geringen Mengen verzehren (< 50g Zucker/ Tag)
    • Aufnahme von weniger als 5g Salz/Tag (weniger verarbeitete Nahrungsmittel und Fertiggerichte)
  • Verzicht auf Alkohol [10]
  • körperliche Aktivität und Sport (mehr dazu hier) [12]
  • Nichtrauchen und Passivrauchen vermeiden
  • Blutdrucksenkung auf < 140/90 mmHg [10]

 

Eine medikamentöse Therapie soll mit Lebensstiländerungen kombiniert werden

Eine medikamentöse Therapie (die meist mittels Statinen erfolgt) soll, außer bei sehr hohen Ausgangswerten und hohem Gesamtrisiko, erst begonnen werden, wenn die jeweiligen Zielwerte für Blutfette trotz konsequenter Ernährung nach 3-6 Monaten nicht erreicht werden. Die Therapieentscheidung soll auf den LDL-Cholesterinwerten basieren. [7]

© ÖGE 2018

 

Quellen:

  1. ÖSTERREICHISCHER ERNÄHRUNGSBERICHT 2017. Kapitel Zufuhr von Energie und energieliefernden Nährstoffen. Internet: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/9/5/0/CH1048/CMS1509620926290/erna_hrungsbericht2017_web_20171018.pdf (Abruf: 07.09.2018)
  2. TOPLAK H et al. Österreichischer Lipidkonsensus 2016. Management von Fettstoffwechselstörungen zur Prävention vaskulärer Komplikationen. Internet: https://www.aas.at/files/Pocket_Guide_Lipid_Konsensus_9_(2016).pdf (Abruf: 07.09.2018)
  3. TOPLAK H et al. Austrian Lipid Consensus on the management of metabolic lipid disorders to prevent vascular complication. Wien Klin Wochenschr 2016 [Suppl 2]: 128:S216–S228. Internet: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00508-016-0993-x.pdf (Abruf: 07.09.2018)
  4. DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG e.V. (DGE) Positionspapier der ÖGE zur gesundheitlichen Bedeutung der Fettqualität in der Ernährung. 2. Version 2015. Internet: https://www.dge.de/uploads/media/Gesamt-DGE-Leitlinie-Fett-2015.pdf (Aufruf: 07.09.2018)
  5. EUROPEAN SOCIETY OF CARDIOLOGY (ESC) AND THE EUROPEAN ATHEROSCLEROSIS SOCIETY (EAS). ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journal (2016)37, 2999–3058.https://www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Dyslipidaemias-Management-of(Abruf: 10.9.2018)
  6. ELMADFA I, LEITZMANN C. Ernährung des Menschen. 5. Auflage 2015. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart. Kapitel 3. 2 Fette: S 162ff. Kapitel 9.3 Hyperlipoproteinämien: S. 646 ff.
  7. BIESALSKI HK, GRIMM P, NOWITZKI-GRIMM S. Taschenatlas Ernährung. 6. Auflage 2015. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. Kapitel 6 Lipide: S 100 ff. Kapitel 18.8 Fettstoffwechselstörungen: S 382 ff.
  8. BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT UND FRAUEN. Die österreichische Ernährungspyramide. 2016. Internet: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/7/3/0/CH1046/CMS1290513144661/folder_erpyr_web.pdf(Abruf: 10.09.2018).
  9. GRUYTER DE. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 267. Auflage 2017. Gryter, Walter de GmBH. 
  10. BIESALSKI HK, BISCHOFF SC, MATTHIAS PIRLICH, WEIMANN A. Ernährungsmedizin. 5. Auflage 2018. Georg Thieme Verlag. Stuttgart, New York. Kapitel 49 Hyperlipoproteinämien. S. 671 ff.
  11. STATISTIK AUSTRIA. Todesursachen gesamt. Internet: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/gesundheit/todesursachen/todesursachen_im_ueberblick/index.html (Abruf: 11.09.2018)
  12. BUNDESMINISTERIUM FÜR GESUNDHEIT, GESUNDHEIT ÖSTERREICH GMBH UND GESCHÄFTSBEREICH FONDS GESUNDES ÖSTERREICH. Österreichische Empfehlungen für gesundheitswirksame Bewegung. Internet: https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/1/6/5/CH1357/CMS1405438552027/oe_empfehlung_gesundheitswirksamebewegung.pdf (Abruf: 11.09.2018)
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